Digitaler Produktpass: Beispiel, Vorlage und JSON verständlich erklärt
Ein DPP-Beispiel macht Datenmodell, Nachweise, Zugriffsrechte und Annahmen sichtbar. Es ist kein universelles Compliance-Muster.
Kurz erklärt
Ein echter Pass besteht aus mehr als einer öffentlichen Produktseite: Identität, Datenherkunft, Nachweise, Freigaben, Zugriffsregeln und maschinenlesbare Ausgabe müssen zusammenpassen.

Diese Seite vertieft einen Baustein des Digitalen Produktpasses. Für die technische Umsetzung ist das DPP-Datenmodell der fachliche Bezugspunkt. Die DPP-Systemarchitektur verbindet diese Struktur mit Quellsystemen, Validierung, Hosting und Register.
Versionierte DPP-Beispieldatei herunterladen
Die neue Beispieldatei trennt Produktidentität, fachliche Fakten, Nachweise, Governance und Zugriffsrechte. Sie enthält Versions- und Gültigkeitsangaben und lässt sich als Ausgangspunkt für Workshops oder API-Prototypen verwenden.
DPP-Datenmodell-Beispiel v1.0 als JSON. Die Datei ist eine technische Illustration und keine universelle Compliance-Vorlage. Eine Anleitung zur Anpassung findest Du im Leitfaden zum DPP-Datenmodell.
Ein Beispiel ist kein Formular zum Ausfüllen
Ein brauchbares DPP-Beispiel zeigt nicht nur Felder, sondern Entscheidungen: Auf welcher Ebene ist das Produkt identifiziert? Welche Aussage stammt aus welchem System oder Dokument? Wer darf was sehen? Was passiert, wenn sich ein Zertifikat, ein Lieferant oder eine Produktversion ändert? Ohne diese Ebenen bleibt ein Pass eine hübsche Produktseite.
Die DPP-Anforderungen werden je Produktgruppe festgelegt. Deshalb kann kein allgemeines JSON-Dokument als „EU-konform für alles“ gelten. Die DPP-Erklärung der Europäischen Kommission betont genau diesen produktbezogenen Ansatz: Dateninhalt und Regeln folgen den einschlägigen delegierten oder sektorspezifischen Rechtsakten.
Wichtige Abgrenzung
Die folgende Vorlage ist ein Arbeitsmittel für Dateninventar und Pilot. Sie behauptet keine vollständige Erfüllung künftiger Datenfelder. Unbekannte oder noch nicht verifizierte Angaben gehören als offene Annahme in das Modell, nicht als fertige Tatsache in den Pass.

Die Mindeststruktur eines belastbaren Piloten
Ebene | Was dokumentiert wird | Typische offene Frage |
|---|---|---|
Identität | Produkt, Modell, Charge oder Einzelstück sowie dauerhafte Kennung. | Welche Granularität verlangt der spätere Rechtsakt? |
Produktdaten | Materialien, Komponenten, Eigenschaften, Anleitungen und relevante Lebenszyklusinformationen. | Welches System ist fachlich führend? |
Nachweise | Zertifikate, Prüfberichte, Lieferantenerklärungen, Berechnungen und deren Gültigkeit. | Ist die Aussage nachprüfbar und versioniert? |
Governance | Datenverantwortung, Freigabe, Änderung, Widerruf und Aufbewahrung. | Wer darf veröffentlichen oder korrigieren? |
Zugang | Öffentliche, geschützte und rollenbezogene Ansichten. | Welche Information darf nicht öffentlich sein? |
Maschinenlesbarkeit | Strukturierte Ausgabe und resolvierbare Referenzen neben der menschlichen Ansicht. | Welche Standards oder Schemata werden tatsächlich benötigt? |
Ein strukturierter Datenbestand macht den Pass nicht automatisch rechtsverbindlich. Er erleichtert aber die Prüfung. Der UN Transparency Protocol zeigt dazu einen offen dokumentierten DPP-Datenansatz, einschließlich Produktidentität, Kennungsschema und Granularität. Diese Konzepte sind für einen Pilot nützlich, auch wenn sie keinen EU-Rechtsakt ersetzen.
Wie maschinenlesbare Identität aussehen kann
Das folgende Beispiel ist absichtlich gekürzt. Es zeigt die Trennung zwischen einem resolvierbaren Produkt-ID, Modell, Charge und Einzelstück. Die Werte sind fiktiv. Die Struktur ist an den öffentlich dokumentierten Elektronikbeispielen von OpenEPCIS angelehnt. Dort sind unter anderem Smartphone-, Laptop-, Display- und Server-Pässe samt JSON-LD-Referenzen dokumentiert.
{
"@context": "https://example.invalid/dpp/context",
"@type": "Product",
"id": "https://id.example.invalid/dpp/atlas-lamp/0004711",
"name": "Atlas Desk Lamp",
"modelNumber": "ATLAS-LED-01",
"batchNumber": "2026-04-DE-17",
"itemNumber": "0004711",
"idGranularity": "item",
"productCategory": [{
"code": "example-category",
"schemeName": "illustrative classification"
}],
"evidence": [{
"claim": "material composition",
"source": "approved supplier declaration",
"status": "illustrative only"
}]
}Was wir daraus wissen: Eine Kennung kann sich auf Modell, Charge oder Einzelstück beziehen; diese Ebenen sollten nicht stillschweigend vermischt werden. Was wir nicht annehmen dürfen: Dass genau diese Feldnamen, Kategorien oder Nachweisstrukturen später für jede EU-Produktgruppe vorgeschrieben sind. Der Rechtsakt entscheidet das fachliche Soll; das Datenmodell setzt es technisch um.
So testen Sie ein DPP-Beispiel ehrlich
- Eine reale Kennung scannen oder aufrufen und prüfen, ob sie langfristig auf die richtige Version auflöst.
- Für jede sichtbare Aussage mindestens einen Ursprung, einen Owner und einen Freigabestatus anzeigen.
- Einen Lieferantenwechsel, ein abgelaufenes Zertifikat und eine Produktänderung als Testfall durchspielen.
- Öffentliche und geschützte Ansichten mit Personen aus Vertrieb, Qualität, Service und Einkauf testen.
- Maschinenlesbare Ausgabe nur dort versprechen, wo Struktur und Validierung tatsächlich vorhanden sind.
Die Umsetzungsroadmap erklärt, wann aus diesem Test ein skalierbarer Prozess wird. Wenn der Pass Umweltkennzahlen aus einer EPD verwenden soll, zeigt der Vergleich DPP vs. EPD, welche Datenfunktion eine EPD dabei haben kann.
Für den Scan-Test sollte die Kennung nicht nur irgendeine Landingpage öffnen. Der Leitfaden zum Digitalen Produktpass QR-Code erklärt GTIN, Granularität, Resolver und maschinenlesbare Ziele.

Geschrieben von
Nils
Nils Abegg ist Entwickler mit über 15 Jahren Erfahrung, davon rund zehn Jahre im E-Commerce. Seit 2023 beschäftigt er sich intensiv mit agentischer KI und entwickelt mit Begeisterung praxisnahe KI-Lösungen für den Mittelstand.